Firmenprofil der C. A. Richter, Eisengießerei

Hersteller

C. A. Richter, Eisengießerei


Firmendetails

Beschreibung

Eisengießerei C. A. Richter

1875 gründet Carl August Richter (1846 – 1912) aus Harthau an der Annaberger Straße 114 (Zaungasse) mit etwa 10 Beschäftigten. Das Geschäftsfeld umfasste Tiegelguss sowie Lohnarbeit für kleinere Maschinenbaubetriebe. Richter hatte wahrscheinlich in der 1838 von den Gebr. Richter in Harthau gegründeten Gießerei gelernt.1

1887/88 wurde eine große Halle mit einer zweigeschossigen Krananlage, einem Kupolofen und einer Dampfmaschine zum Betreiben des Gebläses angebaut. Der Ofen hatte einen Durchmesser von 600 mm , war 5 m hoch und ursprünglich mit einer preußischen Kappe abgedeckt. 1894 kam schließlich eine Putzerei hinzu. Von ca. 70 Arbeitern werden 1300 t/a Gusswaren hergestellt. Nach 1900 bis zur Schließung des Betriebes wurden keine grundlegenden Veränderungen vorgenommen, so daß bis in die 1980er Jahre die Arbeitsbedingungen noch denen um die Jahrhundertwende glichen.2
 Nach dem Eintritt von Richters Söhnen in Betrieb 1903 erfolgte die Umbennennung in C. A. Richter G. m. b. H.

1942 verkaufte die Erbengemeinschaft die Gießerei an die Auto-Union, die diese modernisierte. 1945 erwarb die Sächsische Aufbauwerk GmbH die Gießerei für 20.000 RM. Dank der Gießerei Richter konnten die Einrichtungen im Sommer 1945 vor der Demontage gerettet werden.3

1945 umfasste das Produktionsprogramm Dreifüße, Schnellkochplatten, Ofenplatten, Tafelroste, Bratpfannen, Roststäbe, Bremsklötze, Bügeleisen, Muffenguss und Formkästen.4

1947 wurde eine zentrale Berufsausbildung für Gießereiberufe in Chemnitz eingerichtet.

1951 ging der Betrieb ging als Werk IV – Lehrwerk in den VEB Vereinigte Gießereien Chemnitz bzw. dann in den VEB Gießerei „Rudolf Harlaß“ ein.

1983 wurde das gesamte Gelände unter Denkmalschutz gestellt mit der Begründung, dass die im Verlauf von zwei Jahrzehnten entstandene Anlage eine architekturgeschichtliche und städtebaulich wirksame Akzentuierung einer Straßenecke darstelle.5

Am 15. Juli 1987 um 13:25 Uhr erfolgte der letzte Guss. Von 1947 bis 1987 wurden 3500 Lehrlinge ausgebildet und 140.000 t Gusswaren produziert. Nach Einstellung des Betriebes erhält die TEXTIMA den Auftrag in den Räumen ein Textilmuseum einzurichten.

Am 1. Juli 1991 nahm der Aufbaustab des Industriemuseums die Arbeit auf und entschied sich für die Weiternutzung des Geländes als Museum. Bereits im folgenden Jahr konnte am 27. März die Ausstellung „Das Industriemuseum informiert“ eröffnet werden. Von 1999-2003 erfolgte der Umzug des Industrimuseums Chemnitz in das Hauptwerk der ehemaligen „Harlaß-Gießerei“ an der Zwickauer Straße 119. In der ehem. Gießerei Richter befindet sich jetzt eine Autowerkstatt.

 

1 Vgl. W. Uhlmann, J. Kassner: „10 Jahre Museum in der Richterschen Gießerei“, Hrsg.: J. Feldkamp,
Industriemuseum Chemnitz, 2001, S. 7.
2 Vgl. ebd., S. 8
3 Vgl. ebd., S. 12
4 Vgl. ebd., S. 14
5 Liste Kulturdenkmale Chemnitz (09202288), 20.6.2013

Quellen:
Schautafel in der jetzigen Autowerkstatt „Gilde“, Festschrift „100 Jahre Gießereitradition“, Hrsg.:Flender Guss GmbH Wittgensdorf, 1998
Liste Kulturdenkmale Chemnitz (09202288), 20.6.2013

Autor: G. Schaefer


Arbeitsgruppen

Gießereiwesen