Firmenprofil der Chemnitzer Werkzeugmaschinenfabrik Johann Zimmermann Werke, Chemnitz

Hersteller

Chemnitzer Werkzeugmaschinenfabrik Johann Zimmermann Werke, Chemnitz


Firmendetails

Beschreibung

Johann Zimmermann stellte unmittelbar nach Übernahme der Fabrik für Spinnereimaschinenteile deren Produktion ein und fertigte seit 1848 nur noch Werkzeugmaschinen. Vorerst war es nur der Nachbau englischer Dreh-, Hobel und Bohrmaschinen. 1854 wurde, an der Rochlitzer Straße 19 (Gelände des heutigen Stadtbades), ein moderner Fabrikneubau vollendet, in dem bereits 50 Arbeiter beschäftigt waren. Jetzt wurden schon nach eigenen Konstruktionen Werkzeugmaschinen gefertigt. Die hohe Qualität der Zimmermannschen Werkzeugmaschinen fand die internationale Anerkennung auf Ausstellungen in London und Paris. 

1863 berichtete Dr. Rob. Schmidt über einen Besuch der Zimmermannschen Fabrik: „Die Fabrik als Werkzeugfabrik besteht erst seit etwa acht Jahren. Um aber von dem jetzigen Umfang derselben einen ungefähren Begriff zu erhalten, bemerken wir: dass die Eisengießerei mit 3 Cupolöfen und einer 15pferdigen Dampfmaschine versehen ist, und dass dieselbe für eigenen Bedarf monatlich circa. 2500 Ctr. Guss liefert; dass ferner die Schmiede 14 Feuer, einen Dampfhammer und eine 6pferdige Dampfmaschine enthält; dass endlich die mechanische Werkstatt von einer 30pferdigen Maschine, welche durch zwei 15pferdige ersetzt werden kann, betrieben wird, und außer 70 Drehbänken 55 diverse andere Arbeitsmaschinen enthält. [...] Das gesamte Arbeitspersonal der Fabrik besteht aus 500 bis 550 Mann und wird für weitere 100 Mann gegenwärtig der Raum geschaffen“.1

Zimmermann galt als der Vater des deutschen Werkzeugmaschinenbaus, da er der erste in Deutschland war, der die Produktion von Werkzeugmaschinen aus dem allgemeinen Maschinenbau herauslöste und serienmäßig Werkzeugmaschinen nach eigenen Konstruktionen herstellte. Andere Fabrikanten, wie beispielsweise Diehl, Reinecker, Sondermann usw., folgten seinem Beispiel.

1869 waren schon 900 Beschäftigte tätig. Neben Dreh-, Fräs-, Bohr-, Hobel-, Räderfräs- und Blechbearbeitungsmaschinen wurden auch Holzbearbeitungsmaschinen in das Produktionsprogramm übernommen. Die hier abgebildeten Maschinen sind nur Beispiele aus dem umfänglichen Produktionsprogramm.

Auf der Londoner Werkzeugmaschinen Ausstellung 1862 wurden von Zimmermann 20 Werkzeug- und Holzbearbeitungsmaschinen, vier Parallelschraubstöcke und ein geräuschloser Ventilator ausgestellt. Für diese Produkte gab es die goldene Preismedaille und für eine zusätzliche ausgestellte Planhobelmaschine den 1. Preis. Diese Maschine konnte Werkstücke bis zu 20 Fuß (6.096 mm) Länge und je 6,5 Fuß (1.981,2mm) Höhe und Breite bearbeiten. Ihr Preis lag bei 3.300 Talern (ca. 100.000 €).

1864 erhielt Zimmermann für seine Leistungen auf dem Gebiet der Werkzeugmaschinenentwicklung und –produktion einen Preis der Münchner Ausstellung.

Das Unternehmens warb in seinem Briefkopf mit der Herstellung von Drehbänken,  Mutterschneidmaschinen, Ventilatoren, Einrichtungen für Eisenbahnwerkstätten, Blechstoßmaschinen, Blechbiegemaschinen, Blechscheren, Blechbiegemaschinen, weiche Dampfhämmer, Bohrmaschinen, Dampfmaschinen, hydraulische Pressen, Holzbearbeitungsmaschinen wie Sägegatter, Kreisvertikal- und Bandsägen, patentierte Schweif- und Lochsägen.  

1871 wurde aus der Maschinenfabrik Zimmermann die Chemnitzer Werkzeugmaschinenfabrik vormals Zimmermann-Werke AG, deren Generaldirektor Zimmermann  von 1871 bis 1878 war. Die Aktiengesellschaft besaß ein Stammkapital von 2 Mio. Talern. Der Grund für den Verkauf lag wahrscheinlich u.a. in den ständigen Unruhen der Arbeiterschaft im Raum Chemnitz, bedingt durch die schlechten sozialen Bedingungen. Die Unruhen begannen bereits am 28. April 1871 mit einem Aufruf an die 18.000 Chemnitzer Metallarbeiter. Sie forderten die 60 Stundenwoche (anstatt 65 Stunden), einen Überstundenzuschlag von 25 % und Beibehaltung der ortsüblichen Feiertage, vor allem des 3. Oster-, Pfingst- und Weihnachtsfeiertages. Zimmermann bat in einem Brief an die Stadt, man möge gegen einen möglichen Streik mit allen Mitteln vorgehen, die dabei entstehenden Kosten würde er übernehmen. Bis zum 17. November hatten alle Arbeiter ihre Arbeit wieder aufgenommen und damit war der Streik ergebnislos verlaufen. Allerdings hielten die Arbeitgeber ihr Versprechen, die 62 Stundenwoche einzuführen bei einem Überstundenzuschlag von 10 %, aber verbunden mit dem Abbau der Feiertage.2

Die Fabrik entwickelte sich bis zur Jahrhundertwende kontinuierlich weiter, eine Gießerei in der Emilienstraße wurde errichtet.1919 verfügte der Betrieb über eine Produktionsfläche von 50.000 m² mit über 1000 Beschäftigten und konnte die 50.000. Maschine ausliefern. Infolge der Weltwirtschaftskrise mussten die Zimmermannwerke 1929 Konkurs anmelden. Sie wurden mit den Wotan Werken in Glauchau zur Firma Wotan und Zimmermann AG, Glauchau zusammengeschlossen. Die Chemnitzer Firma wurde aufgelöst und die Firmengebäude abgebrochen, auf dem Gelände errichtete die Stadt Chemnitz 1930 das Stadtbad.

 

1 Besuchsbericht von Herrn Dr. Rob. Schmidt „Civiling. Berlin 1863 erschienen 1864 in Band 173, Nr. II. (S. 9–12) Polytechnisches Journal

2 Auszug aus dem Vortrag von Joachim Weinert, Förderverein IMC: „Wotan und Zimmermann“ Juli 2008

Autor: J. Schmidt

 



Zeitgeschehen

Gründung der Firma Johann Zimmermann

Johann Zimmermann gilt als der "Vater" des deutschen Werkzeugmaschinenbaus, da er der erste in Deutschland war, der die Produktion von Werkzeugmaschinen aus dem allgemeinen Maschinenbau herauslöste und serienmäßig Werkzeugmaschinen nach eigenen Konstruktionen herstellte. Andere Chemnitzer Fabrikanten, wie beispielsweise Diehl, Reinecker, Sondermann usw., folgten seinem Beispiel.

Arbeitsgruppen

Werkzeugmaschinenbau