Firmenprofil der SB-Automobil-Gesellschaft m.b.H., Berlin

Hersteller

SB-Automobil-Gesellschaft m.b.H., Berlin


Firmendetails

Beschreibung

Gründer: Rudolf Slaby und Hermann Beringer

In Berlin hatte 1919 der junge Dr. Slaby für seinen Eigenbedarf ein elektrisch betriebenes, einsitziges Wägelchen konstruiert, für das sich der DKW-Gründer, Jörgen Skafte Rasmussen, sofort begeistern konnte. Schwebte ihm doch bereits vor, ein kleines, leichtes und preiswertes Kraftfahrzeug für "die breite Masse" zu vertreiben. Rasmussen orderte umgehend 100 Wagen bei Slaby, was diesen bewog, zusammen mit seinem Schwager Hermann Beringer erst einmal eine richtige Firma zu gründen. Außerdem bot Rasmussen Werbung auf der Leipziger Herbstmesse 1919 auf seinem Messestand an. 1000 Bestellungen sollen, zu einem Festpreis vereinbart, eingegangen sein. Die junge Firma SB- Automobil- Gesellschaft mbH geriet, der Herstellung derartig großer Stückzahlen möglicherweise noch nicht gewachsen, bald in finanzielle Schieflage. Um die Finanzsituation zu entspannen, beteiligte sich Rasmussen ab Oktober 1919 zu einem Drittel an der Firma. Dem Ein- Sitzer folgte ein Lieferwagen mit Einachsanhänger, auch wurde der Aktionsradius durch eine auf 18 Zellen vergrößerte Batterie erweitert. Durch die einfache Handhabung und die niedrigen Verbrauchskosten war das SB-Cyclecar ein ideales Vielzweckfahrzeug in damaliger Zeit. Elektroenergie für den Antrieb zu wählen, erschien zukunftsträchtig - Benzin war nach dem Ersten Weltkrieg teuer und knapp. Interessanterweise wurde Japan ein stabiler Abnehmer, in Osaka gründete man die "Japan and German Electric Cyclecar Company".

Die Fahrzeugpalette wurde mit konstruktiven und Kosten sparenden Verbesserungen versehen. So wurden die aufwendig für Lackierarbeiten vorzubehandelnden holzkarosserien nun in sog. Sichtholzbauweise (Holzbeplankung) ausgeführt.

Die galoppierende Inflation machte dem Unternehmen stark zu schaffen. Rasmussen konnte einen weiteren Bankkredit vermitteln, musste dafür als Sicherheit seinen Firmenanteil auf 50% erhöhen. Nach einem schweren Erdbeben in Japan 1923, das große wirtschaftliche Schäden verursachte und 120.000 Menschenleben kostete, brachen die Handelsbeziehungen mit Japan abrupt ab. Inzwischen waren auch SB- Wagen entwickelt worden, die wahlweise zum Elektroantrieb, mit dem von Rasmussen in Zschopau produzierten 2,5 PS Zweitaktmotor, ausgerüstet werden konnten. Das Ende der Inflation 1923 brachte die Firma in eine völlig neue aber schwierige Situation - der Markt wurde plötzlich mit Waren, auch mit Gebrauchtwagen, überschwemmt. Dazu kamen noch aus den USA importierte, relativ billige, Kraftfahrzeuge. In einem letzten Versuch wurde ein eleganter Zweisitzer mit einem 4 PS Zweitaktmotor entwickelt, der leider nicht mehr , wie erhofft, absetzbar war. Im September 1924 meldete das Unternehmen Konkurs an.

Insgesamt wurden 2005 SB- Wagen hergestellt, davon 266 Stück mit DKW-Motor. Um in das Unternehmen eingebrachtes Kapital nicht zu verlieren, übernahm Rasmussen selbst den Betrieb als Zschopauer Motorenwerke J.S. Rasmussen AG, Filiale Berlin und setzte 1925 Dr. Slaby, von dessen Fähigkeiten er nach wie vor überzeugt war, als Betriebsleiter ein. Nach dem Umzug des Unternehmens nach Berlin-Spandau firmierte es ab 1928 als Zschopauer Motorenwerke J.S. Rasmussen AG, Werk Spandau - DKW Automobilfabrik. Hier wurden fortan die DKW Automobile mit Heckantrieb (Sonderklasse, Schwebeklasse) und die Holzkarosserien für die im Zwickauer Audi-Werk zu fertigenden DKW Wagen mit Frontantrieb gebaut.

Quellen:

  • Immo Sievers: "Jörgen Skafte Rasmussen"; Delius Klassing Verlag, Bielefeld
  • Thomas Erdmann: "Vom Dampfkraftwagen zur Meisterklasse"; Autovision-Verlag,Günther & Co. Hamburg 2003


Autor: E.Kreßner


Arbeitsgruppen

Kraftfahrzeugtechnik