Baumwollspinnerei (Kurzfaserspinnerei) / Ringspinnerei

Baumwollspinnerei (Kurzfaserspinnerei) / Ringspinnerei

Nach dem Baumwollspinnverfahren werden Baumwolle und  kurzstapelige Chemiefasern (bis 80 mm Schnittlänge) maschinell verarbeitet. Von der Abarbeitung der Faserballen bis zum fertigen Garn sind 10 bis 14 Maschinenpassagen zu durchlaufen.

 

Die einzelnen Schritte der Vorbereitung lauten:

-Öffnen der Ballen mit einem Ballenöffner. (Mischballenöffner)

-Reinigung der Rohfasern von Schmutz  oder von Resten der Samenkapseln bei der Baumwolle und zum Entstauben.

-Mischen der Fasern in einer Mischkammer oder einem Mehrfachmischer zur Vergleichmäßigung des Faserguts oder bei der Ballenmischung zum Herstellen von Mischgarnen aus verschiedenen Rohstoffen (z.B. Baumwolle / Polyester).

-Ausrichten der Fasern mit einer Karde/Deckelkarde  zu einem Strang teilweise paralleler Fasern, dem Kardenband.

-Zusammenführen und Strecken mehrerer Kardenbänder auf einer Baumwollstrecke  zur Erhöhung der Gleichmäßigkeit oder bei der Bandmischung zum Herstellen von Mischfasern. Das Strecken wird in der Regel zweimal durchgeführt.

-Zur Herstellung von qualitativ hochwertigen Ringgarnen kann das Streckband noch gekämmt werden. -Damit wird ein noch gleichmäßigeres Garn erzielt.

-Auf alle Fälle muss das Streckband auf einer Vorspinnmaschine, auch Flyer genannt, zu einem Vorgarn, der „Lunte“, vorgesponnen werden.

 

Der eigentliche Spinnprozess findet in der letzten Arbeitsstufe statt.

Beim  Ringspinnen wird  die Lunte etwa um den Faktor 15–80 gestreckt. Das dünne Faserband wird sofort danach gleichmäßig verdreht. Ein kleiner Metallbügel, der Ringläufer, rotiert dabei auf einer kreisförmigen Führung, dem Spinnring, um eine Spindel und wickelt das Garn auf eine Hülse auf und bildet den Kops.

Pro Umdrehung des Ringläufers wird eine Drehung in das Garn eingebracht

Auf diese Art und Weise können feine Garne im Bereich Nm 10 bis Nm 135   hergestellt werden.  Bei noch feineren Garnen ist ein deutlich höherer Aufwand bei der Materialvorbereitung nötig.

Eine wichtige Randbedingung für den Prozess ist, abhängig vom versponnenen Material, die im Produktionsraum herrschende Luftfeuchtigkeit.

Moderne Ringspinnmaschinen besitzen bis zu 1.824 Spinnstellen.

Große Spinnereien sind heute mit bis zu 100.000 Spinnstellen ausgestattet. Moderne Maschinen besitzen automatisierte Verfahren für den Austausch der Kopse, für deren Weitertransport zur Spulmaschine, für die optische Überwachung von Fadenbrüchen sowie zur Betriebsdatenerfassung.

 

Autor : Maria Thieme