Stahlguss

Stahlguss

Eisenwerkstoffe werden aus der Sicht der Gießer in zwei Hauptgruppen unterschieden, in Gusseisen und in Stahlformguss. Beide Werkstoffgruppen verwenden u.a. Roheisen aus dem Hochofen, unterscheiden sich aber im Kohlenstoffgehalt. Stahlwerkstoffe haben einen geringeren Kohlenstoffgehalt als Gusseisen. Je nach Stahlsorte kann er von wesentlich kleiner 1% bis um 2% reichen. (Gusseisen: 2,5% - 4%) Dieser Unterschied bestimmt maßgeblich die Werkstoffeigenschaften. Stahl zeichnet sich gegenüber Gusseisen durch höhere Festigkeit und Duktilität (Dehn- und Streckbarkeit) aus. Stahl ist unter dem Begriff Schmiedeeisen schon aus der Zeit der Rennöfen (Schachtofen) im Mittelalter bekannt. Ein im Rennofen erzeugter teigiger Eisenklumpen wurde von Schmiede in die gewünschte Form gebracht. Im 16.Jh. gelang es, flüssiges Roheisen zu erzeugen. Dies führte aber zunächst nicht zum Vergießen von Stahl. Durch den Frischprozess (Reduzierung des Kohlenstoffgehalts durch Sauerstoffeinwirkung) wurde das Roheisen wieder in Schmiedeeisen umgewandelt. Erst Jacob Mayer (1813 – 1875) produzierte ab 1838 Gussstahl in Bochum, d.h. er konnte Stahl wie Gusseisen in einer Gießerei zu Stahlgussstücke vergießen. Nach der Präsentation von Stahlgussglocken 1855 auf der Pariser Weltausstellung konnte sich Stahlguss durchsetzen. Die Herstellung von Stahlguss erfordert auch heute noch zwei Schritte, die Roheisenherstellung und die Kohlenstoff-verminderung. Da auch eine sehr hohe Gießtemperatur nötig ist, ist Stahlguss teuer. Seine vielfältigen Eigenschaften sichern ihm aber einen festen Platz unter den Eisenwerkstoffen.

G. Schaefer