Hochrad - Nähmaschinenfabrik und Eisengießerei vorm. Seidel & Naumann AG, Dresden

Hochrad

Beschreibung

Die Fahrradproduktion hat in Sachsen eine lange Tradition und noch heute befindet sich hier einer der ältesten Fahrradhersteller in Deutschland, der noch produziert – die Diamant Fahrradwerke GmbH. Auch andere, längst verschwundene Hersteller kamen einst aus Sachsen. Namen wie Presto, Phänomen sowie Speiermann, Weigel & Co rufen in den Kreisen von Fahrradenthusiasten noch immer Staunen und Ehrfurcht hervor. Doch nicht nur historische Räder sind mit dem Sachsenland verbunden. Gerade in den letzten Jahren entstehen zumeist kleinere Manufakturen, die individuelle Fahrräder nach Kundenwunsch unter Verwendung exklusiver Teile herstellen. Damit entstehen Sportgeräte und zum Teil Alltagsräder auf höchstem Niveau, die dem neuesten Stand der Technik entsprechen und eine individuelle Klientel ansprechen.

Bis zu diesem Punkt war es aber ein weiter Weg. Die Geschichte des Fahrrades begann 1817 mit der Erfindung der Laufmaschine durch den Badener Karl von Drais. Noch im selben Jahr entstanden in und um Dresden die ersten Nachbauten dieser Laufmaschine. Mit zwei hintereinander angeordneten Rädern, einem Sattel und einem Lenker bildete die Draisine die Grundlage für die spätere Form des Fahrrades. Erst mit der Entwicklung des Hochrades hielten die ersten Tretkurbeln und Pedale Einzug im Fahrradbau. Diese waren am Vorderrad angebracht und damit entsprach eine Pedalumdrehung einer Radumdrehung. Die Räder wurden immer größer, um einerseits mehr Weg beim Treten zurückzulegen und andererseits höhere Geschwindigkeiten zu erreichen.

Das Losfahren gestaltet sich etwas kompliziert. Der Fahrer stellte das linke Bein auf eine kleine Fußraste am Hinterrad. Während er den Lenker mit beiden Händen festhielt, stieß er sich mit dem rechten Bein vom Boden ab, schwang sich während der Fahrt auf den Sattel und setzte beide Füße auf die Pedale. Dies erforderte einige Übung. Auf Grund der schlechten Straßenverhältnisse in der Anfangszeit des Fahrrades kam es oft zu schweren Stürzen.

Mit dem Wandel zum Niederrad und der Verwendung von Ketten wanderten die Pedale in die Mitte des Rades, von wo aus sie das Hinterrad antrieben. Mit dieser Entwicklung wurden die Räder kleiner und das Unfallrisiko sank erheblich.

Obwohl die Ursprünge in Deutschland lagen, wurde das Fahrrad zunächst in Frankreich und in England weiterentwickelt. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts schlossen viele Unternehmen in Deutschland Kooperationsverträge mit englischen Firmen, bauten die Räder in Lizenz nach und verkauften diese. So war es auch bei Seidel & Naumann aus Dresden. Die Firma hatte sich auf Nähmaschinen spezialisiert und nahm später das neue Fortbewegungsmittel in ihr Produktprogramm auf.

Baujahr: um 1890

Leihgeber: Stiftung Deutsches Technikmuseum Berlin

Autor: Yves Stegemann


Hersteller

Nähmaschinenfabrik und Eisengießerei vorm. Seidel & Naumann AG, Dresden

 

Objektklassen

Hochrad